Eine Reise mit Handicap beginnt nicht am Abreisetag, sondern am Schreibtisch. Wer früh klärt, was am Zielort und unterwegs tatsächlich funktioniert, reist entspannter. Drei Dinge machen den Unterschied: geprüfte Angaben statt Werbeversprechen, schriftliche Zusagen der Unterkunft und eine Anreise, die von Anfang an mitgeplant ist.
Das Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ prüft Unterkünfte, Gastronomie und Sehenswürdigkeiten vor Ort und stellt die Ergebnisse in einer frei zugänglichen Datenbank bereit [2]. Für die Anreise mit der Bahn hilft die Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn; Unterstützung lässt sich telefonisch unter 030 65212888 oder über msz.bahnhof.de anmelden, am besten bis 20 Uhr am Vortag [1]. Bei Flug, Bahn, Bus oder Schiff gilt in der Europäischen Union ein Recht auf kostenlose Hilfe beim Ein-, Aus- und Umsteigen, wenn der Hilfsbedarf rechtzeitig angemeldet wird [3].
Medikamente gehören sorgfältig geplant. Das Auswärtige Amt rät, Dauermedikamente in ausreichender Menge mitzunehmen, sie in der Originalpackung mit Beipackzettel zu belassen und Kopien der Rezepte sowie ärztliche Bescheinigungen mitzuführen. Ob ein Medikament in das Zielland eingeführt werden darf, sollte vorher geklärt werden [4].
Eine Auslandskrankenversicherung gehört für Reisen ins europäische Ausland zur Grundausstattung, denn die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Behandlungskosten dort nicht in jedem Fall. Versichertenkarte, Notfallnummern und eine Liste der Dauermedikamente gehören in das Handgepäck oder die Reisetasche.
Die Reise-Checkliste
- Den Unterstützungsbedarf präzise beschreiben: Rollstuhl, Rollator, Gehhilfe, Begleitung, Hör- oder Sehhilfe.
- Unterkunft, Gastronomie und Ausflugsziele vor der Buchung in der Datenbank von Reisen für Alle prüfen.
- Jede Zusage der Unterkunft schriftlich anfordern, zum Beispiel per E-Mail, und ausdrucken oder speichern.
- Die Hilfe der Bahn über die Mobilitätsservice-Zentrale anmelden, bis 20 Uhr am Vortag.
- Für Flugreisen die kostenlose Hilfe beim Ein-, Aus- und Umsteigen rechtzeitig bei der Fluggesellschaft anmelden.
- Die Mitnahme einer Begleitperson beim Beförderer erfragen, sie ist teilweise kostenlos.
- Dauermedikamente in ausreichender Menge und in der Originalpackung mit Beipackzettel einpacken.
- Kopien der Rezepte und ärztliche Bescheinigungen mitführen, bei Auslandsreisen eine Übersetzung erwägen.
- Vor der Reise klären, ob die Medikamente in das Zielland eingeführt werden dürfen.
- Eine Auslandskrankenversicherung prüfen und die Versichertenkarte sowie Notfallnummern mitnehmen.
- Einen Notfallkontakt zu Hause hinterlegen und die Reiseroute mitteilen.
- Die Ausstattung des Zimmers mit Datum dokumentieren, damit Zusagen vergleichbar sind.
- Vor Ort die wichtigsten Anlaufstellen notieren: Apotheke, Arztpraxis, Krankenhaus, Mobilitätsservice.
- Pufferzeiten einplanen, damit Anschlüsse ohne Hetze erreichbar sind.
- Wichtige Dokumente gebündelt mitführen: Ausweis, Schwerbehindertenausweis, Befunde, Medikamentenliste.
- Eine Liste der Dauermedikamente mit Wirkstoff, Dosierung und Einnahmezeiten erstellen und mitführen.
- Bei Pauschalreisen die besonderen Rechte von Reisenden mit Behinderung beim Veranstalter erfragen.
- Nach der Ankunft die schriftlichen Zusagen mit der vorgefundenen Ausstattung abgleichen.
So setzen Sie es um
Die Checkliste wirkt am besten, wenn sie Schritt für Schritt abgearbeitet wird, nicht am Vorabend. Beginnen Sie mit der Auswahl des Ziels über Reisen für Alle, sichern Sie die Unterkunft schriftlich zu und melden Sie die Anreisehilfe frühzeitig an. Die Medikamente packen Sie zuletzt, nachdem Sie die Einfuhrbestimmungen des Ziellandes geprüft haben [4].
Der größte Hebel liegt in der Reihenfolge: erst die Zusagen sichern, dann die Anreise buchen, zuletzt die Medikamente planen. So bleibt am Ende Zeit für die Dinge, um die es bei einer Reise eigentlich geht.
Wer lieber in Deutschland bleibt, findet im Ratgeber zu den barrierefreien Reisezielen geprüfte Regionen für die nächste Reise.




