Bewegung ab 60 ist keine Pflichtübung, sondern ein Beitrag zu einem guten Leben. Wer regelmäßig in Bewegung bleibt, erhält Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit und damit die eigene Selbstständigkeit. Entscheidend ist nicht, wer am schnellsten oder am weitesten kommt, sondern was den Gelenken guttut und sich dauerhaft in den Alltag einfügt. Dieser Ratgeber zeigt, was die Empfehlung sagt, welche Sportarten die Gelenke schonen und wie der Einstieg gelingt.

Was die Empfehlung sagt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Dazu zählen zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Gartenarbeit, also Tätigkeiten, bei denen man ins Schwitzen kommt, aber noch sprechen kann. Auf die Woche verteilt sind das zum Beispiel fünf Mal 30 Minuten [1].

Der Bedarf ist real. Nach Angaben der WHO steigt das Ausmaß körperlicher Inaktivität ab dem 60. Lebensjahr bei Frauen und Männern an. Weltweit erfüllte im Jahr 2022 fast ein Drittel der Erwachsenen, 31 Prozent, die Bewegungsempfehlung nicht [1]. Dabei zählt Bewegung zu den wirksamsten Mitteln, um im Alter mobil zu bleiben und Stürzen vorzubeugen.

Was regelmäßige Bewegung bewirkt

Die Wirkung reicht weit über die Muskulatur hinaus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation verringert regelmäßige körperliche Aktivität bei Erwachsenen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Stürze. Sie verbessert die psychische Gesundheit, den Schlaf und die kognitive Leistungsfähigkeit [1]. Für Menschen ab 60 Jahren ist der Zusammenhang mit Stürzen besonders wichtig: Kraft und Gleichgewicht entscheiden darüber, ob ein Stolpern folgenlos bleibt oder nicht.

Auch das seelische Befinden profitiert. Bewegung im Freien, in Gesellschaft oder mit Musik verbindet die körperliche Wirkung mit Abwechslung und Begegnung. Wer regelmäßig geht, schwimmt oder tanzt, tut etwas für den Körper und oft auch für die Stimmung.

Gelenkschonende Sportarten im Überblick

Nicht jede Sportart ist für jedes Knie geeignet. Gelenkschonend sind vor allem Bewegungsformen, bei denen das Körpergewicht getragen oder gestützt wird oder die Belastung gleichmäßig und stoßarm bleibt. Die folgende Übersicht ordnet fünf Sportarten nach Belastung und Wirkung ein.

Gelenkschonende Sportarten im Vergleich (allgemeine Einordnung)
SportartBelastungWirkung
Schwimmensehr gelenkschonend, das Wasser trägt das KörpergewichtAusdauer und Kraft für den ganzen Körper
Radfahrengelenkschonend, geringe StoßbelastungAusdauer, kräftigt Beine und Kreislauf
Walking / Nordic Walkingmoderate Belastung, Stöcke entlasten Knie und HüfteAusdauer, Gleichgewicht, Beweglichkeit
Tai Chisanfte, langsame BewegungsfolgenGleichgewicht, Beweglichkeit, innere Ruhe
Krafttrainingdosierbar, an Geräten oder mit dem eigenen KörpergewichtMuskelkraft, beugt Stürzen vor

Krafttraining verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist kein Reservat für junge Sportlerinnen und Sportler. Kräftige Bein- und Rumpfmuskulatur ist die Grundlage für sicheres Gehen und Aufstehen. Gesundheitsinformation.de hält fest, dass Trainingsprogramme, die Muskulatur und Gleichgewicht stärken, Stürzen nachweislich vorbeugen können, ob als Gruppen- oder Einzelkurs. Untersucht wurden Gang- und Gleichgewichtstraining, Krafttraining, Tanzen, Tai Chi und Aerobic [2].

Auch beim Nordic Walking lohnt der Blick auf die Ausrüstung: Stöcke mit ergonomischem Griff, wie sie das Kirchheimer Familienunternehmen Leki seit 1948 baut, entlasten die Gelenke spürbar.

Der Wiedereinstieg nach einer Pause

Wer lange nicht aktiv war, startet behutsam. Der Körper braucht Zeit, sich an die Belastung zu gewöhnen. Eine ärztliche Abklärung ist dann sinnvoll, wenn eine Erkrankung besteht, Medikamente eingenommen werden oder die letzte sportliche Betätigung weit zurückliegt. Das gilt besonders für Herz- und Kreislauf sowie für bestehende Gelenkbeschwerden. Wer vorher kaum aktiv war, darf sich Zeit lassen. Schon kurze regelmäßige Einheiten bringen mehr als ein einzelner langer Kraftakt.

Wiedereinstieg in sieben Schritten

  1. Vor dem Start ärztlich abklären lassen, besonders nach langer Pause oder bei Vorerkrankungen.
  2. Eine Sportart wählen, die zu den eigenen Fähigkeiten passt und Freude macht.
  3. Langsam beginnen und die Dauer Woche für Woche steigern, statt sofort viel zu wollen.
  4. Feste Zeiten in den Wochenplan eintragen, Regelmäßigkeit schlägt Intensität.
  5. Auf festes Schuhwerk mit rutschfester Sohle achten.
  6. Auf die Signale des Körpers hören und bei Schwindel oder Schmerzen pausieren.
  7. Nach Beschwerden ärztlichen Rat einholen, bevor die Belastung wieder steigt.

Sturzangst ernst nehmen

Manche Menschen bewegen sich nach einem Sturz oder aus Sorge vor einem Sturz weniger. Das ist verständlich, wirkt aber in die falsche Richtung. Wer sich aus Angst wenig bewegt, hat ein höheres Sturzrisiko als jemand, der täglich zu Fuß unterwegs ist [2]. Der Wiedereinstieg lässt sich deshalb auch als Rückgewinn von Sicherheit verstehen. Ein begleitetes Training, in einer Gruppe oder unter physiotherapeutischer Anleitung, senkt die Hürde und gibt das Vertrauen in die eigenen Beine zurück.

Auch kleine Alltagsbewegung zählt

Auch außerhalb des Sports zählt jeder Schritt. Treppen statt Aufzug, der Weg zu Fuß zum Einkauf, Gartenarbeit, ein Spaziergang nach dem Essen: Solche Alltagsbewegungen summieren sich und tragen zur empfohlenen Wochenmenge bei. Die Weltgesundheitsorganisation fasst körperliche Aktivität ausdrücklich breit, vom Gehen über die Hausarbeit bis zum Sport [1]. Wer keinen festen Trainingsplan möchte, findet so einen Einstieg ohne Termindruck.

Sport im Verein

Wer nicht allein trainieren möchte, findet in Sportvereinen ein breites Angebot. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beschreibt die rund 29,3 Millionen Mitgliedschaften (Stand 2026) in den Vereinen als den größten Akteur für Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland. Zum Gesundheitssport gehören strukturierte Kurse und das Qualitätssiegel „SPORT PRO GESUNDHEIT”. Für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen bieten Vereine ärztlich verordneten Rehabilitationssport an [3]. Einen passenden Kurs in der Nähe finden Sie über den Sportverein vor Ort oder über die Volkshochschule.

Vereine bringen noch etwas mit, das beim Training allein fehlt: Gemeinschaft. Regelmäßige Termine, vertraute Gesichter und das gemeinsame Ziel halten dauerhafter bei der Stange als der beste Vorsatz. Wer Anschluss sucht, findet dazu in unserem Ratgeber zu neuen Hobbys im Ruhestand Anregungen.