Ehrenamt im Ruhestand verbindet Erfahrung mit Zeit. Wer sich engagiert, gibt dem Tag eine Struktur, begegnet Menschen und trägt etwas bei, das über den eigenen Alltag hinausreicht. Dieser Ratgeber stellt acht erfüllende Felder vor, nennt zu jedem einen verlässlichen Träger und ordnet ein, was bei Aufwandsentschädigungen und beim Versicherungsschutz gilt.
Was Ehrenamt mitbringt
Ein Ehrenamt gibt mehr, als es fordert, wenn das Maß stimmt. Es stiftet Sinn, schafft Begegnung und hält in Bewegung. Wer nicht weiß, wo er beginnen soll, findet in den Freiwilligenagenturen eine erste Anlaufstelle. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) verzeichnet in ihrem Agenturatlas 481 Freiwilligenagenturen in ganz Deutschland (Stand 2026) [1]. Diese Agenturen beraten Interessierte, kennen die Angebote vor Ort und vermitteln passende Aufgaben. Der Einstieg gelingt dort meist ohne lange Suche.
Ehrenamt bleibt freiwillig. Anders als eine Erwerbsarbeit lässt es sich an die eigenen Kräfte und den eigenen Kalender anpassen. Ein Wechsel oder ein Ende ist jederzeit möglich, ohne dass daraus ein Versäumnis entsteht. Gerade darin liegt für viele der Reiz: Die Aufgabe wird gewählt, nicht diktiert.
Acht Felder im Überblick
Die folgenden acht Felder eignen sich besonders für Menschen im Ruhestand, weil sie auf Lebenserfahrung, Geduld und Zeit setzen.
| Feld | Was Sie tun | Träger und Anlaufstelle |
|---|---|---|
| Lesepaten | Kindern vorlesen oder das Lesen üben | Stiftung Lesen |
| Nachbarschaftshilfe | Einkäufe, kleine Hilfen, Projekte im Quartier | Netzwerk Nachbarschaft |
| Besuchsdienst | Menschen zu Hause besuchen, begleiten, zuhören | Malteser |
| Tafel | Lebensmittel retten und weitergeben | Tafel Deutschland |
| Umweltgruppen | Natur- und Artenschutz vor Ort | NABU |
| Vereinsvorstand | einen Verein leiten, organisieren, vertreten | Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt |
| Digitalpaten | Menschen digitale Anwendungen erklären | Digital-Kompass |
| Museumslotsen | Besucher begleiten, Führungen unterstützen | Deutscher Museumsbund |
Die Felder unterscheiden sich im Aufwand und in der Nähe zu Menschen. Wer gern vorliest, findet bei der Stiftung Lesen ein eigenes Engagementportal: Dort lässt sich einer Kindergruppe vorlesen, mit Schulkindern das Lesen üben oder mit älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen die Zeitung durchgehen [2]. Für Projekte im Wohnumfeld bündelt das Netzwerk Nachbarschaft Initiativen und bietet Ratgeber und Aktionen [3]. Die Malteser organisieren ehrenamtliche Besuchs- und Begleitungsdienste für ältere Menschen, die zu Hause leben [4].
Die Tafeln nennen mehr als 77.000 Helferinnen und Helfer, von denen 94 Prozent ehrenamtlich tätig sind [5]. Beim NABU engagieren sich rund 85.000 Ehrenamtliche in etwa 2.000 Gliederungen [6]. Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt fördert und stärkt Vereine, etwa mit Fördermitteln und Beratung [7]. Der Digital-Kompass unterhält bundesweit über 300 lokale Standorte, an denen Menschen Unterstützung in digitalen Fragen finden [8]. Der Deutsche Museumsbund widmet dem Ehrenamt im Museum eigene Formate; auf seiner Terminseite findet sich eine Herbstakademie zur ehrenamtlichen Arbeit und ihren Betätigungsfeldern in Museen [9].
Ein Ehrenamt gibt mehr, als es fordert, wenn das Maß stimmt.
Steuerfrei engagieren
Viele Träger zahlen ihren Freiwilligen eine Aufwandsentschädigung. Zwei Freibeträge im Einkommensteuergesetz machen solche Zahlungen in Grenzen steuerfrei. Die Übungsleiterpauschale nach § 3 Nr. 26 EStG beträgt 3.300 Euro im Kalenderjahr. Sie gilt für nebenberufliche Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder in vergleichbaren Aufgaben, für nebenberufliche künstlerische Tätigkeiten sowie für die Pflege alter oder kranker Menschen. Die Ehrenamtspauschale nach § 3 Nr. 26a EStG beträgt 960 Euro im Kalenderjahr; sie greift für andere nebenberufliche Tätigkeiten zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke [10]. Beide Beträge gelten jeweils für ein Kalenderjahr (Stand 2026). Wer mehr erhält, versteuert den übersteigenden Teil. Fragen Sie beim Träger nach, welcher Freibetrag für Ihre Aufgabe infrage kommt.
Versicherung und Zeitbudget
Fragen Sie vor dem Start nach dem Versicherungsschutz. Seriöse Träger versichern ihre Freiwilligen während des Engagements. Die Tafeln stellen ihren Helferinnen und Helfern diesen Schutz über die jeweilige Tafel bereit [5]. Genauso wichtig ist ein ehrliches Zeitbudget. Ein Besuchsdienst mit zwei Stunden in der Woche fordert weniger als ein Vorstandsposten mit wöchentlichen Sitzungen und Verantwortung. Beginnen Sie klein und erweitern Sie erst, wenn es sich gut anfühlt. Fragen Sie beim ersten Gespräch nach, wie die Einarbeitung aussieht und wer Ihre Ansprechperson ist. Ein klarer Rahmen, auch für eine Auszeit oder ein Ende, schützt beide Seiten.
Die Wahl in kleinen Schritten treffen
Ein gutes Ehrenamt entsteht dort, wo Können, Zeit und Freude zusammenpassen. Die folgende Liste hilft, den Einstieg zu ordnen.
So wählen Sie Ihr Ehrenamt
- Klären, was Sie gut können und was Ihnen Freude macht.
- Über die Freiwilligenagentur vor Ort passende Aufgaben suchen.
- Beim Träger nach Aufwand, Einarbeitung und Versicherungsschutz fragen.
- Mit einer Schnupperphase oder einem zeitlich begrenzten Einsatz beginnen.
- Das eigene Zeitbudget realistisch festlegen und Grenzen offen benennen.
- Bei einer Aufwandsentschädigung die Freibeträge nach § 3 Nr. 26 und Nr. 26a EStG im Blick behalten.
Wer den Einstieg sucht, findet in den Freiwilligenagenturen verlässliche Begleitung [1]. Weitere Anregungen für ein erfülltes Leben nach dem Beruf bietet unser Ratgeber zu neuen Hobbys im Ruhestand.




