Vitamin D wird selten als das beschrieben, was es im Kern ist: ein Baustein der Knochengesundheit. Es hilft dem Körper, Kalzium und Phosphat aufzunehmen und in die Knochen einzubauen. Daraus ist im Lauf der Jahre eine weit größere Erwartung geworden. Präparate versprechen Schutz vor Stürzen, Knochenbrüchen und vielen weiteren Krankheiten. Was davon trägt die Studienlage, was nicht? Dieser Ratgeber ordnet ein, was die Referenzwerte empfehlen und wann ein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt sinnvoll ist.

Was Vitamin D im Körper leistet

Der Körper bildet Vitamin D zum größten Teil selbst, in der Haut, mithilfe der UV-B-Strahlung der Sonne. Dafür genügt es nach Angaben von Gesundheitsinformation.de, Gesicht, Hände und Arme mehrmals in der Woche für einige Minuten unbedeckt der Sonne auszusetzen. Menschen mit dunkler Hautfarbe benötigen dafür deutlich mehr UV-B-Strahlung. Über die Nahrung nimmt der Körper nur einen kleinen Teil auf, weil wenige Lebensmittel nennenswerte Mengen enthalten, vor allem fette Fische, Eier und manche Speisepilze [1].

Die Aufgabe des Vitamins ist klar umrissen. Es sorgt für feste und stabile Knochen, indem es die Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus dem Darm fördert und deren Einbau in den Knochen unterstützt. Dieser Zusammenhang ist unumstritten [1]. Die DGE und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind für Fragen der Versorgung die zentralen Anlaufstellen. Das Robert Koch-Institut bündelt auf seiner Vitamin-D-Seite die eigenen Monitoring-Daten und verweist für die fachliche Einordnung auf genau diese Institutionen [3].

Was die Referenzwerte sagen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr 20 Mikrogramm (µg) Vitamin D pro Tag. Dieser Wert gilt für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche und Erwachsene, auch für Menschen ab 65 Jahren, Schwangere und Stillende. Für Säuglinge im ersten Lebensjahr nennt die DGE 10 µg pro Tag. Der Schätzwert bezieht sich ausdrücklich auf eine Situation ohne körpereigene Bildung, also auf Zeiten, in denen die Haut kein Vitamin D bildet. 20 µg entsprechen 800 Internationalen Einheiten (IE), 10 µg entsprechen 400 IE. Die Ableitung dieser Werte stammt aus dem Jahr 2012 und ist nach wie vor gültig [2].

Für die Blutwerte gibt es eine klare Einordnung. Gesundheitsinformation.de gibt die Bewertung des Robert Koch-Instituts wieder: Ein Wert von mindestens 20 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) gilt für die Knochengesundheit als ausreichend, Werte über 30 ng/ml bringen keinen zusätzlichen gesundheitlichen Vorteil. Werte zwischen 12 und unter 20 ng/ml gelten als suboptimal, Werte unter 12 ng/ml als mangelhaft. Bestimmt wird der Gehalt an 25-Hydroxy-Vitamin D im Blut [1].

Empfehlungen zur Vitamin-D-Versorgung nach Personengruppe (DGE-Schätzwerte bei fehlender körpereigener Bildung, Stand der Ableitung 2012)
PersonengruppeTagesmengeEinordnung
Säuglinge (0 bis unter 12 Monate)10 µg (400 IE)Schätzwert, Zufuhr über ein Präparat üblich
Kinder (1 bis unter 15 Jahre)20 µg (800 IE)bei fehlender körpereigener Bildung
Jugendliche und Erwachsene (15 bis unter 65 Jahre)20 µg (800 IE)bei fehlender körpereigener Bildung
Erwachsene ab 65 Jahre20 µg (800 IE)bei fehlender körpereigener Bildung

Stürze und Knochenbrüche: Was die Studien zeigen

Die Erwartung, Vitamin-D-Präparate schützten zuverlässig vor Stürzen und Knochenbrüchen, lässt sich aus der Studienlage so nicht ableiten. Gesundheitsinformation.de, das Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), hält fest: Studien deuten darauf hin, dass ältere Menschen in Pflegeheimen und Krankenhäusern seltener stürzen, wenn sie Vitamin D einnehmen, und zwar dann, wenn ihr Vitamin-D-Spiegel zu niedrig ist. Für die gesunde Allgemeinbevölkerung ergibt sich daraus keine allgemeine Empfehlung [1].

Das BfR geht noch einen Schritt weiter. In klinischen Studien mit hochdosierten Vitamin-D-Gaben, die einmal im Jahr oder monatlich verabreicht wurden, traten in der Vitamin-D-Gruppe mehr Stürze und Knochenbrüche auf als in der Vergleichsgruppe. Das BfR rät deshalb, auf hochdosierte Stoßgaben zu verzichten. Eine generelle Empfehlung für die gesunde Allgemeinbevölkerung, Vitamin-D-Präparate zur Vorbeugung von Krankheiten einzunehmen, sei nicht begründbar [4].

Auch zu weiteren Krankheiten bleibt die Studienlage zurückhaltend. Mehrere Studien kommen nach Angaben des IQWiG zu dem Schluss, dass Vitamin-D-Präparate bei suboptimalen Spiegeln nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs oder Depressionen schützen. Diese Studien waren allerdings zu kurz, um langfristige Wirkungen zu beurteilen [1].

Wer gesund ist und regelmäßig ins Freie geht, braucht sich um die Vitamin-D-Versorgung keine Gedanken zu machen. Für Risikogruppen ist die Dosis eine Frage der ärztlichen Abklärung.

Wem ein Präparat nützen kann

Es gibt Personengruppen, für die ein Vitamin-D-Präparat sinnvoll sein kann. Die DGE nennt als Risikogruppen für eine Unterversorgung vor allem Menschen, die kaum ins Freie kommen: mobilitätseingeschränkte, chronisch kranke und pflegebedürftige ältere Menschen, insbesondere in Pflegeeinrichtungen, sowie Säuglinge im ersten Lebensjahr. Für diese Gruppen empfiehlt die DGE ein Präparat in Höhe des Schätzwerts [2].

Das BfR formuliert es ähnlich. Für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sollte eine Supplementierung mit bis zu 20 µg (800 IE) pro Tag erwogen werden. Menschen mit dunkler Hautfarbe benötigen deutlich mehr UV-B-Strahlung, um ausreichend Vitamin D zu bilden. Auch chronische Erkrankungen von Darm, Niere oder Leber oder bestimmte Medikamente können die körpereigene Bildung stören [1] [4].

Entscheidend ist die Abklärung. Ob ein Präparat nötig ist und in welcher Dosis, lässt sich nicht im Alleingang beantworten. Eine regelmäßige Selbstkontrolle des Spiegels ohne konkreten Anlass bringt nach Einschätzung des IQWiG keinen gesundheitlichen Vorteil [1]. Wer zu einer Risikogruppe gehört oder unsicher ist, bespricht das mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.

Überdosierung und Grenzen

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin. Der Körper scheidet einen Überschuss nicht einfach aus, er kann ihn speichern. Deshalb ist mehr nicht automatisch besser. Das BfR warnt vor hochdosierten Stoßgaben, weil sie in Studien mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden waren [4]. Wer ein Präparat einnimmt, orientiert sich am Schätzwert der DGE von 20 µg pro Tag und erhöht die Dosis nicht eigenmächtig.

Für Menschen, die sich regelmäßig im Freien bewegen, ist die Sache einfacher. Wer gesund ist und sich ausreichend draußen aufhält, bildet in der Regel genug Vitamin D über die Haut und braucht sich um die Versorgung keine Gedanken zu machen [1]. Bewegung an der frischen Luft ist dabei doppelt sinnvoll, denn Kraft- und Gleichgewichtstraining schützen nachweislich vor Stürzen. Mehr dazu finden Sie in unserem Ratgeber zur Sturzprophylaxe im eigenen Zuhause.