Das meiste, was früher in Ordnern und auf Papier lag, liegt heute auf Servern: Bankkonten, E-Mail-Postfächer, Verträge, Fotos, Versicherungen. Wer im Ernstfall nicht mehr selbst handeln kann oder stirbt, hinterlässt dieses digitale Leben den Angehörigen. Wer es rechtzeitig ordnet, macht ihnen die Verwaltung leicht.
Inventar: Konten, Verträge und Abos erfassen
Der erste Schritt ist ein Überblick. Notieren Sie alle Konten, Verträge und Abos, die Sie digital führen. Dazu gehören Bankkonten, E-Mail-Adressen, Profile in sozialen Netzwerken, Messenger, Streaming- und Zeitungsabos, Cloud-Speicher, Smart-Home-Geräte und Behördenzugänge wie die Steuerplattform ELSTER.
Der Grund ist praktisch: Laufende Abos enden nicht automatisch, sie laufen weiter, bis sie gekündigt werden. Nach einem Todesfall oder einer schweren Erkrankung müssen die Verträge verwaltet oder gekündigt werden. Ohne eine Übersicht müssen die Angehörigen erst mühsam herausfinden, was überhaupt existiert [4].
Die Übersicht gehört an einen sicheren Ort, den die Vertrauensperson kennt. Eine Papierliste im Vorsorgeordner ist dafür ebenso geeignet wie eine verschlüsselte Datei im Passwortmanager. Die Zugangsdaten selbst sollten nicht in einer offenen E-Mail oder einer unverschlüsselten Notiz liegen, denn wer sie findet, hätte sonst Zugriff auf alles.
Passwortmanager: Ein Hauptpasswort statt vieler
Für die vielen unterschiedlichen Zugänge empfiehlt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik einen Passwortmanager [2]. Er speichert die Zugangsdaten verschlüsselt, Sie müssen sich nur noch ein Hauptpasswort merken. Das Hauptpasswort sollte lang und einzigartig sein.
Für jedes Konto gilt ein eigenes, starkes Passwort, das nicht an anderer Stelle verwendet wird. Ein Passwortmanager erzeugt solche Passwörter und füllt sie beim Anmelden automatisch ein. So vermeiden Sie die zwei häufigsten Fehler: zu kurze Passwörter und dieselbe Kennung für viele Dienste [2].
Ein starkes Passwort ist lang und nicht leicht zu erraten. Bewährt ist ein langer Satz, den nur Sie kennen, oder eine zufällige Zeichenfolge, die der Passwortmanager erzeugt. Namen, Geburtsdaten und einfache Muster wie eine Tastenreihe sind ungeeignet, weil Angreifer sie schnell durchprobieren. Das BSI rät, bei der Anmeldung Sicherheit vor Schnelligkeit zu stellen und für wirklich wichtige Konten besonders sorgfältige Kennwörter zu wählen [2].
Zwei-Faktor-Authentifizierung: die zweite Tür
Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ergänzt das Passwort um einen zweiten Nachweis. Das kann ein Code auf dem Handy sein, eine Bestätigung in einer App, ein Fingerabdruck oder ein Gerät. Das BSI empfiehlt sie für alle wichtigen Konten, weil ein gestohlenes Passwort allein dann nicht ausreicht [3].
Beim Online-Banking ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung mit einer Transaktionsnummer bereits üblich, etwa per TAN auf dem Handy oder über ein Kartenlesegerät [3]. Für E-Mail, Cloud und soziale Netzwerke lohnt sich die Aktivierung ebenso. Wer sie einrichtet, sollte eine zweite Person des Vertrauens einweisen, damit im Ernstfall niemand ausgesperrt ist.
Die beiden Faktoren stammen idealerweise aus unterschiedlichen Kategorien: etwas, das man weiß, etwa ein Passwort oder eine PIN, etwas, das man besitzt, etwa ein Handy oder eine Karte, und etwas, das man ist, etwa ein Fingerabdruck. Die Kombination aus Wissen und Besitz ist besonders verbreitet und deutlich sicherer als ein Passwort allein [3].
Vollmachten für das Digitale
Die Verbraucherzentralen empfehlen, die digitale Vorsorge mit einer Vollmacht zu regeln: Sie bevollmächtigen eine Person Ihres Vertrauens, sich um die digitalen Zugänge und Verträge zu kümmern. Soll diese Person auch den digitalen Nachlass regeln, muss die Vollmacht über den Tod hinaus gelten [4].
Für Bankkonten genügt die Weitergabe der Zugangsdaten oft nicht, weil zusätzlich der zweite Faktor der Zwei-Faktor-Authentifizierung abgefragt wird. Fragen Sie bei Ihrer Hausbank nach, wie Sie eine Kontovollmacht einrichten [4]. Eine unbefugte Weitergabe von Zugangsdaten kann Ärger bringen: Bucht ein Dritter unberechtigt Geld ab, wird der Schaden in der Regel nicht ersetzt [4].
Auch Smart-Home-Geräte gehören zur digitalen Vorsorge. Wer Heizung, Licht oder Hausgeräte über eine App steuert, sollte eine weitere Person aus dem Haushalt als Administratorin oder Administrator eintragen. Sonst lässt sich die Steuerung nach einem Unfall oder Todesfall nicht mehr bedienen [4].
Digitale Nachlassregelung bei Google und Apple
Einige große Anbieter haben eigene Vorkehrungen für den Todesfall. Bei Google können Sie im Kontoinaktivität-Manager festlegen, was nach einer von Ihnen gewählten Zeit der Inaktivität mit dem Konto geschehen soll, etwa ob Daten mit Vertrauenspersonen geteilt oder das Konto gelöscht wird [5].
Bei Apple können Sie einen oder mehrere Nachlasskontakte festlegen. Diese Personen erhalten für den Fall Ihres Todes mit einem Zugriffsschlüssel Zugang zu bestimmten Daten Ihres Apple Accounts und können darüber entscheiden [6]. Solche Anbieterfunktionen ersetzen die Vollmacht nicht, ergänzen sie aber sinnvoll.
Nicht jeder Dienst hat eine solche Funktion. Bei den meisten Anbietern regelt allein die Vollmacht den Zugriff, und die Erben müssen sich sonst mit dem Erbschein legitimieren. Deshalb ist die Vollmacht das Fundament, die Anbieterfunktionen sind nur ein Zusatz für die großen Plattformen, die sie anbieten [4].
Sicherheitsbasics: Backups und Updates
Zur digitalen Vorsorge gehören zwei Gewohnheiten. Erstens regelmäßige Sicherungskopien wichtiger Daten, getrennt vom Gerät, damit Fotos und Dokumente nicht mit einem defekten Gerät verloren gehen. Zweitens zeitnahe Updates für Betriebssysteme, Apps und Geräte, weil viele Aktualisierungen Sicherheitslücken schließen.
Beides ist keine einmalige Aufgabe, sondern eine Routine. Wer die Sicherungskopie und die Aktualisierung in einen festen Rhythmus bringt, etwa einmal im Monat, verliert im Ernstfall wenig und hält die Angriffsfläche klein. Die Vertrauensperson sollte wissen, wo die Sicherung liegt und wie sie im Notfall darauf zugreift.
| Bereich | Beispiele | Was Sie festhalten sollten |
|---|---|---|
| Banken und Depots | Girokonto, Tagesgeld, Depot | Institut, Kontonummer, Vollmacht, zweiter Faktor |
| Persönliches Postfach | Anbieter, Adresse, Zugang | |
| Soziale Netzwerke und Messenger | Profil, Chat | Anbieter, Benutzername, Zugang |
| Abos und Verträge | Streaming, Zeitung, Energie, Mobilfunk | Anbieter, Vertragsnummer, Kündigungsweg |
| Cloud und Speicher | Fotos, Dokumente | Anbieter, Zugang, Nachlassfunktion |
| Behörden und Steuern | ELSTER, Versicherungen | Zugang, Zertifikat, Vollmacht |
Erste-Hilfe-Plan für die digitale Vorsorge
- Übersicht aller Konten, Verträge und Abos erstellen.
- Vollmacht errichten, die über den Tod hinaus gilt.
- Passwortmanager einrichten und das Hauptpasswort sicher hinterlegen.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Bank, E-Mail und Cloud aktivieren.
- Google-Kontoinaktivität-Manager oder Apple-Nachlasskontakt einrichten.
- Vertrauensperson über den Aufbewahrungsort der Zugänge informieren.
- Regelmäßige Backups wichtiger Daten anlegen und Updates einspielen.
Digitale Vorsorge ist keine Technikfrage, sondern eine Frage der Ordnung. Wer ein Inventar führt, einen Passwortmanager nutzt, die zweite Tür aktiviert und eine Vollmacht errichtet, macht sein digitales Leben für die Menschen handhabbar, die es einmal verwalten müssen.




