Ein Museumsbesuch wird erst dann zu einem guten Erlebnis, wenn der Zugang stimmt. Wer schlecht sieht, schwer hört oder nicht lange stehen kann, braucht keine Sonderbehandlung, sondern ein durchdachtes Angebot: eine Führung, die auf die eigene Wahrnehmung eingeht, ein Haus, das mitdenkt. Viele Museen in Deutschland haben solche Formate in den vergangenen Jahren fest etabliert.
Die fünf Häuser in dieser Übersicht halten ihre Angebote dauerhaft vor. Tastführungen, Führungen in Deutscher Gebärdensprache und Programme für Menschen mit Demenz gehören dort zum festen Vermittlungsprogramm. Die verlinkten Seiten nennen die aktuellen Termine und Ansprechpersonen, denn Termine wechseln, das Angebot selbst bleibt.
| Museum | Angebot | Zielgruppe | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Berlinische Galerie, Berlin | Hör- und Tastführung, Tastmodelle, taktiles Leitsystem | blinde und sehbehinderte Menschen | regelmäßig Führungen mit Dolmetschung in DGS |
| Hamburger Kunsthalle | Kunst anders wahrnehmen, Stille Stunde, Bei Anruf Kultur | Menschen mit und ohne Sehbehinderung | Leihhocker und Rollstühle, Begleitperson frei |
| Städel Museum, Frankfurt am Main | barrierefreie Überblicksführung, Leichte Sprache | alle Gäste, Menschen mit Höreinschränkung | Aufzug mit niedrigen Bedienelementen |
| Lenbachhaus, München | Haus vollständig mit dem Rollstuhl befahrbar | Menschen mit Gehbehinderung | Rollstühle und Rollatoren zum Ausleihen |
| Lehmbruck Museum, Duisburg | Skulpturen zum Ertasten, Führungen in Gebärdensprache | Menschen mit Seh- und Höreinschränkung | Programme für Menschen mit Demenz |
Die Berlinische Galerie verbindet mehrere Zugänge miteinander. In der Dauerausstellung führt ein taktiles Leitsystem durch den Raum, ein Audioguide erläutert Höhepunkte, und zu ausgewählten Werken gibt es Tastmodelle. Die Hör- und Tastführung richtet sich ausdrücklich an blinde, sehbehinderte und sehende Besucherinnen und Besucher. Wochenend- und Kuratorinnenführungen werden regelmäßig in Deutsche Gebärdensprache gedolmetscht [1].
Die Hamburger Kunsthalle denkt über die Führung hinaus. Das Format „Kunst anders wahrnehmen“ lädt Menschen mit und ohne Sehbehinderung zu dialogischen Rundgängen ein. Die „Stille Stunde“ öffnet das Haus zu ruhigen Zeiten, „Bei Anruf Kultur“ bringt Kunst ins Telefongespräch. Rollstühle und Leihhocker stehen bereit, und eine eingetragene Begleitperson erhält freien Eintritt [2].
Das Städel Museum in Frankfurt am Main bietet eine barrierefreie Überblicksführung an und stellt allgemeine Informationen in Leichter Sprache sowie in Gebärdensprache bereit. Der Aufzug verfügt über niedrige Bedienelemente, die Toiletten sind barrierefrei ausgebaut [3]. Das Lenbachhaus in München ist vollständig mit dem Rollstuhl befahrbar, hält an der Kasse Rollstühle und Rollatoren bereit und lässt gekennzeichnete Assistenzhunde ins Haus [4]. Das Lehmbruck Museum in Duisburg gibt einige Skulpturen für Menschen mit Seheinschränkung zum Ertasten frei, vermittelt Führungen in Gebärdensprache und entwickelt Programme für Menschen mit kognitiven Einschränkungen [5].
Die Vermittlungsarbeit, die hinter solchen Formaten steht, bündelt der Deutsche Museumsbund in seinem Arbeitskreis Bildung und Vermittlung. Er ist die fachliche Anlaufstelle für die museale Vermittlungsarbeit in Deutschland und zeigt, dass Teilhabe längst zur Kernaufgabe der Museen gehört [6]. Wer nach weiteren Häusern in der eigenen Region sucht, findet über die Kulturangebote im Überblick einen Einstieg.




